Viele frugale Entscheidungen sind gar kein Kompromiss zwischen Geld und Lebensqualität — die günstigere Option ist oft auch die bessere für einen selbst. Sport zeigt das besonders deutlich: ein Hobby, das kaum etwas kosten muss, gleichzeitig spätere Gesundheitskosten senkt — und nebenbei die Fähigkeit erhält, mehr Dinge im Leben selbst zu erledigen, statt sie zu bezahlen.
Was Bewegungsmangel wirklich kostet
Eine gemeinsame Analyse von WHO und OECD kommt zu dem Ergebnis, dass in Europa jährlich rund 8 Milliarden Euro an Gesundheitskosten eingespart werden könnten, würden alle Menschen das empfohlene Mindestmaß an Bewegung erreichen. Das ist eine Zahl auf volkswirtschaftlicher Ebene — doch auch auf individueller Ebene lässt sich der Effekt messen: Eine Auswertung der europäischen SHARE-Studie durch den Sportökonomen Sören Dallmeyer (Deutsche Sporthochschule Köln) fand, dass regelmäßig sportlich aktive Menschen ab 50 Jahren ihre privat getragenen Gesundheitskosten (Zuzahlungen, Medikamente, Physiotherapie) um bis zu 17,7 Prozent senken konnten.
Zwei große Langzeitstudien liefern zusätzlich handfeste Zahlen zur Lebenserwartung: Eine taiwanesische Kohortenstudie mit 416.175 Teilnehmenden fand, dass schon 15 Minuten Sport am Tag die Lebensdauer statistisch um rund drei Jahre verlängern. Die Copenhagen City Heart Study kam bei regelmäßigem, gemächlichem Joggen auf eine um 5,6 Jahre (Frauen) beziehungsweise 6,2 Jahre (Männer) höhere Lebenserwartung gegenüber inaktiven Personen.
Ein Hobby, das fast nichts kosten muss
Anders als viele Freizeitbeschäftigungen braucht wirksames Training keine teure Ausrüstung. Laufen, Bodyweight-Training, Schwimmen im Freibad oder Radfahren (siehe dazu auch der Artikel zum Fahrrad) kosten kaum mehr als ein Paar gute Schuhe. Selbst ein Fitnessstudio-Abo, das bei näherer Betrachtung nicht zwingend nötig ist, liegt in Deutschland meist zwischen 20 und 40 Euro im Monat — ein Bruchteil dessen, was viele andere regelmäßige Freizeitausgaben kosten.
Ein Vergleich zu Netflix, Streaming-Abos oder dem wöchentlichen Restaurantbesuch drängt sich auf: Kaum ein anderes Hobby bringt so viel körperlichen und psychischen Gegenwert für so wenig Geld. Manche gesetzlichen Krankenkassen zahlen über Bonusprogramme zusätzlich einen jährlichen Aktiv-Bonus von bis zu 60 Euro für nachgewiesene sportliche Aktivität — ein kleiner, aber netter Nebeneffekt obendrauf.
Der Teil, der in keiner Kostenrechnung auftaucht: Selbermachen können
Ein Aspekt wird in Diskussionen über Sport und Geld fast nie erwähnt: körperliche Fitness ist eine Voraussetzung dafür, viele Dinge selbst erledigen zu können, statt sie zu bezahlen. Ein Umzug ohne Umzugsunternehmen, Gartenarbeit statt Gärtner, das Tragen der eigenen Einkäufe über mehrere Stockwerke, kleinere Renovierungsarbeiten in der eigenen Wohnung — all das setzt eine gewisse körperliche Grundfitness voraus. Wer diese Fitness nicht hat, zahlt an genau diesen Stellen regelmäßig für fremde Arbeitskraft, die er mit etwas Kondition und Kraft selbst hätte leisten können.
Das ist derselbe Gedanke, der schon im Einstiegsartikel eine Rolle gespielt hat: Probleme lieber mit eigener Kreativität und Fähigkeit lösen, statt reflexhaft die nächstbeste käufliche Lösung zu nutzen. Körperliche Fitness ist dabei so etwas wie die praktische Grundlage für diese Haltung — ohne sie bleiben viele Selbermach-Optionen erst gar nicht offen.
Eine Einschränkung, die ehrlich dazugehört
Nicht jede Form von Sport ist per se gesund oder günstig. Eine Studie des Koblenzer Sportökonomen Lutz Thieme fand, dass ehemalige Olympiateilnehmer zwischen 35 und 64 Jahren ein etwa doppelt so hohes Sterberisiko haben wie die Normalbevölkerung — Hochleistungssport und unfallträchtige Sportarten wie Skifahren oder Reiten verursachen für Versicherungen eher hohe Kosten als niedrige. Der Effekt aus diesem Artikel gilt für moderate, regelmäßige Bewegung, nicht für sportliche Extreme. Genau deshalb übernehmen gesetzliche Krankenkassen in Deutschland auch keine Fitnessstudio-Mitgliedschaften direkt (§ 20 SGB V) — gefördert wird gezielte Gesundheitsprävention, nicht Sport an sich.
Was das für die Praxis bedeutet
Sport lohnt sich hier gleich doppelt: kaum Kosten in der Gegenwart, spürbar geringere Gesundheitskosten in der Zukunft, und ein Zugewinn an Fähigkeiten, die anderswo Geld sparen. Wer eine Frugalismus-Entscheidung sucht, die sich fast von selbst rechnet, findet sie selten so eindeutig wie hier: ein Spaziergang, eine Laufrunde oder Bodyweight-Training kosten nichts außer Zeit — und genau diese Zeit zahlt sich über Jahrzehnte gerechnet mehrfach aus.
Quellen
- WHO/OECD: Gemeinsame Analyse zu Bewegungsmangel und Gesundheitskosten in Europa, zitiert nach Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB) — dosb.de
- Dallmeyer, S., Wicker, P. & Breuer, C.: Analyse der SHARE-Studiendaten zu körperlicher Aktivität und privaten Gesundheitskosten (Out-of-Pocket Costs) — zitiert nach koelner-wissenschaftsrunde.de
- Taiwanesische Kohortenstudie mit 416.175 Teilnehmenden zu täglicher Bewegung und Lebenserwartung — zitiert nach versicherungsbote.de
- Copenhagen City Heart Study: Langzeitstudie zu Joggen und Lebenserwartung — zitiert nach versicherungsbote.de
- Thieme, L. (Deutsche Sporthochschule Köln): Studie zum Sterberisiko ehemaliger Olympiateilnehmer — zitiert nach versicherungsbote.de